Individuelles Schmerzmanagement durch Achtsamkeit

In den letzten Wochen habe ich mich mit dem Thema Schmerzmanagement befasst. Das Leben in unserer heutigen Welt scheint – allen Annehmlichkeiten zum Trotz – eine schmerzhafte Angelegenheit zu sein. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation klagen 20 % der Erdbevölkerung über chronischen Schmerz. Auch einige meiner Patienten klagen über chronische Schmerzen, seit Jahren rumort, sticht und schmerzt es.

Ein relativ neuer Therapieansatz, diesen chronischen Schmerzen entgegenzutreten kommt aus der Neuroforschung und setzt vor allem auf Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper und Meditation. Die bekannte Körper-Mind-Therapeutin Katrin Jonas erklärt in ihrem Buch „Meditation heilt“ die neuen Perspektiven der Schmerztherapie. Dabei soll es der eigene, sehr persönliche und ehrliche Blick nach innen sein, der die Chance zur Schmerzbewältigung oder Schmerzfreiheit möglich macht. Die Anwendung der eigenen Achtsamkeit sowie die meditative Wachheit gehören im Moment zu den Topthemen der Schmerzintervention. Neuroexperten thematisieren auf Kongressen den Wert der Mediation und sogar die Wissenschaft unterstützt diese Theorie mit Studien, welche den positiven Effekt von Achtsamkeit im Hinblick auf chronische Beschwerden belegen.

Dass Schmerzmanagement ohne oder mit viel weniger Medikamenten möglich sein soll, macht neugierig, nicht wahr?

Dass jeder Mensch ein anderes Schmerzempfinden hat, ist bekannt. Dass demzufolge auch die Schmerzverarbeitung individuell ist resp. erfolgen soll, ist für mich einleuchtend.
„Was der Mind im Sinne der Erregungsleitung im Gehirn einmal automatisiert und benutzen gelernt hat, bleibt relativ undifferenziert stehen. Der Mind arbeitet nicht situativ, sondern eingefahren, mechanisch und starr. Wenn also diese Tunnelverarbeitung bei allen vom Schmerz betroffenen Menschen gleich ablaufen würde, könnte sie generalisiert und genauso generalisiert behoben werden. Schmerzintervention wäre ein Kinderspiel. Doch so simpel ist es nicht. Dadurch, dass Schmerzverarbeitung die personalisierte Datenverarbeitung einschliesst, erklärt sich auch, warum Schmerz weder mit dem stärksten Medikament noch mit einem Pauschalprogramm zur Schmerzbekämpfung vernichtbar ist. Vielleicht verstehen Sie jetzt besser, warum ich auf einem individuellen Ansatz in der Schmerzintervention poche. Und aus demselben Grund erhält die Meditationspraxis ihre Chance. … Es muss dem mechanisierten, reaktionsgetrimmten Mind des jeweiligen Menschen an den Kragen gehen.“ (Auszug aus dem Buch „Mediation heilt“, S. 57ff, Katrin Jonas).

Unterstützung durch Meditation
Dank den vielen Nervenzellen sowie über die verdichtete Nervenzellsubstanz im Gehirn (wo der Schmerz verarbeitet wird) verfügen wir über ideale Voraussetzungen für Informationsübertragung und Kommunikation zwischen den Gehirnarealen. Und das Geniale: Beide Areale verändern sich durch Meditation – sie vermehren, verdichten und arrangieren sich neu! So haben wir also die Möglichkeit, hier unseren inneren PC um zu programmieren!

Möglichkeiten der Achtsamkeit – zum Beispiel mit WIE-Fragen
Hier gibt es sehr viele Ansätze. Um bei Katrin Jonas zu bleiben, empfiehlt es sich, den Fokus auf das innere Ich zu legen, intern zu reflektieren und sich zugunsten des eigenen Wohlgefühls zu entscheiden. Damit leistet man einen wesentlichen Schritt in der Selbst-Therapie.
Dabei sind vor allem die WIE-Fragen entscheidend, denn sie sind Qualitätsimpulse und öffnen die Tür zu schmerzrelevanten Vorgängen im Organismus.
Beispiele:
WIE mache ich etwas und WIE reagiert mein Körper darauf?
WIE verhält sich mein Schmerz?
WIE fühle ich mich in bestimmten Situationen?
WIE wäre es für mich am besten?
WIE sähe eine wohltuendere Alternative aus?
WIE könnte ich das, was ich tue, mit mehr Leichtigkeit tun?
WIE sieht die leichteste Alternative aus?
etc.

Die Bewusstheit ist der Schlüssel
für das Schloss, welches das Gehirn aufschliesst. Und sie ist die Voraussetzung dafür, die Effekte des Inneren Wandels zu bemerken. Wer Lust hat oder neugierig geworden ist, bei sich etwas verändern zu wollen, ist eingeladen, ein Tagebuch mit Veränderungen zu erstellen.

Ich werde diese Schmerztherapie-Ansätze gerne weiter verfolgen. Für mich ist es einleuchtend, dass wir uns über weite Strecken selber beeinflussen, heilen können. Kennen wir doch unseren Körper wohl selber am besten.
Kleiner Tipp: Schmerzpatienten grübeln oft über ihren Schmerz nach – aber wenn man schon in der Warteschlaufe steckt, könnte man sie ja auch sinnvoll nutzen,oder?

 

Buch-Quelle: Katrin Jonas, Meditation heilt – schmerzfrei in ein neues Leben; Verlag Via Nova; ISBN 978-3-86616-392-8.
Blog: http://www.katrin-jonas.com/blog/